Die Geschichte des Zinnerz-Bergbaus von Altenberg
Der Bergbau in der Gegend von Altenberg begann in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit der bergbaulichen Erschließung des Gebietes vom böhmischen Graupen aus (heute: Krupka/ Tschechische Republik). Bebaut wurden anfänglich Zinnseifen, durch die schließlich die primären Lagerstätten in Altenberg und Zinnwald entdeckt wurden. Die Erschließung der Altenberger Lagerstätte erfolgte um 1440 durch eine Vielzahl kleiner Bergwerke. Bereits 1451 verlieh Kurfürst Friedrich II. von Sachsen der jungen Ansiedlung Stadtrecht verbunden mit der Gewährung städtischer und bergbaulicher Privilegien.
Schon bald nach Beginn des Bergbaus wurde das Erz vorwiegend mit der Methode des Feuersetzens unter Tage gewonnen. Dadurch kam es zu einem planlosen Weitungsbau, der ab 1545 zu mehreren, teilweise beträchtlichen Tagebrüchen führte. Ungeachtet dieser Brüche wurde der unkontrollierte Erzabbau bis zum großen Pingenbruch 1620 fortgesetzt. Dieser Pingenbruch erreichte an der Tagesoberfläche eine Ausdehnung von etwa 2 ha sowie eine Tiefe von fast 70 Metern und zerstörte mehrere Schächte mit ihren Göpeln und ein Großteil des Grubenfeldes.
"Ein Brennort im Zwitterstockwerke zu Altenberg"
Meutzner, Lithographie von 1841
Für die Wiederaufnahme des Bergbaus nach dem großen Bruch vereinigten sich 36 zentral gelegene Gruben und bildeten daraus unter Hinzuziehung von alten Grubenfeldern, von Aufbereitungsstätten, Wäldern und wasserwirtschaftlichen Anlagen im Jahr 1663/64 die "Zwitterstocksgewerkschaft zu Altenberg".
Schon beginnend ab dem zweiten Pingenbruch 1578 ging man stellenweise zur Methode des Bruchortbaus über, bei der das Brucherz aus der Pinge untertägig abgebaut wurde. Ab 1845 wurde der Erzabbau im Festgestein mittels Feuersetzen eingestellt und nur noch Brucherz aus der Pinge gewonnen.
"Die Arbeit im Bruchort"
Meutzner, 1840
Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich der Schubortabbau durch. Hierzu wurden Strecken unter Tage im festen Gestein bis in den Brucherzbereich hinein vorgetrieben, in die nun die ständig nachrutschenden Bruchmassen hereingezogen werden konnten.
Umfangreiche Investitionen ab Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelten die Altenberger Grube zum Hauptlieferanten von Zinn für die ostdeutsche Wirtschaft.
am Ladeort 6. Sohle
1991
Schubortabbau auf der 4. Sohle,
1967
Der in der Erzgewinnung bis dahin dominierende Schubortbetrieb wurde ab 1976 nach und nach durch die Technologie des Teilsohlenbruchbaus verdrängt, mit dem man den Grubenbetrieb sicherer und leistungsfähiger gestalten konnte. In den letzten zwei Jahrzehnten des Betriebes wurde ein vollmechanisierter und automatisierter Abbau mit einer weiterentwickelten Methode des Teilsohlenbruchbaus eingeführt, sowie die Aufbereitung durch den Aufbau moderner Anlagen wesentlich verbessert. Dadurch konnten in den achtziger Jahren Jahresfördermengen von über 1 Mill. Tonnen Roherz erreicht werden, aus denen reichlich 2100 Tonnen Reinzinn/ Jahr gewonnen wurden.
Der "Letzte Hunt"
1991
Nach reichlich 550 Jahren Bergbautätigkeit und dem Abbau von 37 Millionen Tonnen Roherz wurde am 28. März 1991 mit der Förderung des "Letzten Huntes" der Altenberger Zinnerzbergbau aus Rentabilitätsgründen eingestellt.
© by Christina Schröder